Divine Femininity

Exklusiv-Interview mit Asia Taber

Sandro Botticellis berühmtes Meisterwerk „Die Geburt der Venus“ hat Asia Taber, Künstlerin und Cannabisliebhaberin aus Kalifornien, schon lange in seinen Bann gezogen. Wie sie es dann aber geschafft hat, dieses Bild auf ihre eigene, faszinierende Art und Weise zu inszenieren, und wie es dazu kam, dass dieses Kunstwerk lange unveröffentlicht in einer Schublade lag, hat sie uns exklusiv in einem Interview erzählt.

 

Asia, wie kam es zu deiner Passion, dich mit Cannabis und Kunst zu beschäftigen?

Ich bin ursprünglich nach L.A. gekommen, um als Model zu arbeiten. Als ich dann vor zehn Jahren meinen Partner Waylon kennenlernte, der aus einer Familie kommt, die in zweiter Generation in L.A. Cannabis anbaut, hatte ich nicht den besten Zugang zu der Pflanze, auch weil ich damals Langstreckenläuferin war und das „Runner’s High“ lieber mochte als Weed, von dem ich Munchies, Paranoia und einen trockenen Mund bekam. Er hat mir dann aber wie in „Aladdin“ eine ganz neue Welt eröffnet, als er mir zeigte, dass Cannabis nicht gleich Cannabis ist!

Während meines Psychologie-studiums habe ich dann in weiterer Folge begonnen, mich mehr mit den pharmazeutischen Anwendungen von Cannabis als Alternative zu den klassischen medikamentösen Behandlungen meiner Probleme – ich hatte damals eine posttraumatische Belastungsstörung und war depressiv – zu beschäftigen. Das hat mir dann auf Arten geholfen, die ich mir nie hätte vorstellen können. Zur gleichen Zeit begleitete ich Waylon an meinen freien Tagen regelmäßig zu seiner Arbeit bei 3C Farms und bemerkte, dass ich mich als Frau und weibliche Cannabiskonsumentin von den Publikationen und der Werbung zu Cannabis überhaupt nicht repräsentiert und angesprochen fühlte. Also begann ich, selbst Fotos von Blüten und Pflanzen zu machen, und diese auf Instagram zu veröffentlichen. So habe ich mich langsam in die Welt der Social Media gewagt und meine Werke dort veröffentlicht.

 

Wie bist du darauf gekommen, „Die Geburt der Venus“ mit Cannabisblüten zu inszenieren, und welche Symbolik steckt hinter diesem Motiv?

Vor ein paar Jahren hat mich ein großes Magazin in den USA gebeten, das Cover für ihre Frauenausgabe zu gestalten. Eine unglaublich aufregende Möglichkeit! Ich habe mir dann wirklich Gedanken gemacht, was es bedeutet, eine Frau in der Cannabiswelt zu sein, und wie ich die Bedeutung von Weiblichkeit und Cannabis einfangen könnte. Da kam mir sofort das Bild der Venus von Botticelli in den Sinn. Das war das erste Bild eines weiblichen Aktes, bis dahin war Nacktheit ein Zeichen von Stärke, Dominanz und Männlichkeit. Ich dachte mir also, wie schön wäre es, „Die Geburt der Venus“ neu zu interpretieren, von einer weiblichen Künstlerin erschaffen und auf einem Meer von weiblichen Cannabisblüten gebettet! Ich wollte also diese besondere „Divine Femininity“, die göttliche Weiblichkeit, an alle Frauen zurückgeben.

Vieles in meiner Kunst ist von diesen Blüten inspiriert und davon, was diese wunderbare Pflanze für den Menschen tun kann. Ich versuche also, ein Stigma zu durchbrechen, das global viel zu lange aufrechterhalten wurde und immer noch wird. Das Bild der Venus ist auch eine Art „moralischer Kompass“. Wenn jemand dieses Bild betrachtet und die Venus sexualisiert, dann macht er das auch mit Frauen im Allgemeinen. Wenn aber jemand dieses wunderschöne, göttliche weibliche Wesen sieht, dann reflektiert das auch sein Bild der Frau.

 

Hinter diesem Bild steckt auch eine besondere Geschichte, du hast es eine Art Verschwörung genannt. Was hat es damit auf sich?

Ja, long story short, kurz vor Druck haben sie dann das Cover zurückgezogen. Das war damals gerade in der Zeit von #MeToo. Hinter den Kulissen ist also etwas passiert, und das Bild ist bis dato bei mir in der Schublade gelegen und leider nie publiziert worden. Doch dann erhielt ich eine Nachricht von Andy, dem Herausgeber eures Magazins, und here it is! Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, diese wundervolle Aufnahme und die Geschichte dahinter in diesem Rahmen jetzt mit euch und eurem Publikum teilen zu können.

 

Wie du uns erzählt hast, steckt hinter dem Bild ein enormer Aufwand. Wie gestaltete sich die Produktion und hattest du Unterstützung dabei?

Geplant hatte ich das ganze Projekt in vier Tagen, das Fotoshooting allein dauerte 18 Stunden, ich habe dann vielleicht vier Stunden geschlafen, dann die Bearbeitung etc., das war wirklich einfach verrückt! Am Set stand mir eine ganze Crew zur Seite, ein Make-up-Artist, ein Videografiker und mein Bruder, der auch Künstler ist. Er hat mir dann auch als Einziger geholfen, das Kunstwerk selbst, ich nenne es gerne auch das Venus-Mandala, einzurichten. Wir haben um etwa sechs Uhr früh angefangen, und es hat dann bis etwa elf gedauert, bis unser Model in den Blüten liegen konnte.

Wenn man genau hinsieht, sind es drei verschiedene Sorten von Cannabisblüten, in Violett, Grün und Rot-Orange, alle von 3C Farms zur Verfügung gestellt, wo wir auch die Aufnahmen gemacht haben. Ich wollte das Arrangement wirklich authentisch halten, deshalb ist der Untergrund unter den Blüten auch aus Steinwolle, die in der Kultivierung der Pflanzen eingesetzt wird. Zur Beleuchtung habe ich dann auch Grow-Lights verwendet, und da wir das Ganze Mitte August gemacht haben, war es am Set unglaublich heiß, als ob wir die Sonne nach drinnen gebracht hätten! Wegen meiner Erfahrungen aus der Fashion-Industrie und weil ich weiß, welche Mengen an Müll bei Shoots dort anfallen, versuche ich in meinen Projekten auch immer, so gut es geht, auf Nachhaltigkeit zu achten. Besonders stolz bin ich also darauf, dass bei diesem Shooting nur zwei Säcke Mist angefallen sind.

 

Welche Projekte planst du als Nächstes?

Ich bin über die Jahre von so vielen Leuten gefragt worden, ob es Prints meiner Bilder zu kaufen gibt, damit sie diese auch zuhause aufhängen können. Also habe ich mich nach langer Zeit endlich dazu entschlossen, eine Website dafür einzurichten. Auf highpilotdesign.com werden diese dann bald verfügbar sein. Ich habe auch gerade mein Psychologiestudium abgeschlossen und möchte mich im Bereich der medizinischen Cannabistherapie entwickeln, da ich überzeugt bin, dass beides gemeinsam ein unglaubliches Potenzial hat.

 

Herzlichen Dank für das Interview.

Instagram: www.instagram.com/asiataber, www.instagram.com/3c.farms

INTERVIEW: Philipp Hlatky
FOTOS: Asia Taber, www.highpilotdesign.com

Das ist ein Artikel aus THE GRASSHOPPER Magazine Sommer 01/2020.

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