GOLDENER HONIG

Rosin – eine Klasse für sich

Rosin ist bis dato die höchste Verarbeitungsstufe von lösungsmittelfreien Cannabisextrakten („solventless extracts“). Rosin kann aus Blütenmaterial wie auch aus Pollinaten gepresst werden. Was mich daran fasziniert, ist die einfache und ungefährliche Herstellung, denn um den „Honig“ fließen zu lassen, sind keine gefährlichen Chemikalien nötig. Bereits mit einem günstigen Haarglätter, ein wenig Backpapier und viel Muskelkraft ist es möglich, gute erste Ergebnisse zu erzielen. So habe auch ich anfangs meine Erfahrungen mit dieser Extraktionsform gesammelt. Leute mit höheren Ansprüchen an Qualität und Geschmack wollen natürlich immer gleichbleibende Ergebnisse erzielen und investieren auf lange Sicht meist in professionelles Equipment wie eine Rosin-Presse.

Rosin entsteht, indem man Cannabisblüten oder -konzentrate zwischen zwei heißen Platten mit viel Druck auspresst. Seit Phil Salazar 2015 den Grundstein für die heutige Gewinnung von Rosin gelegt hat, haben sich Unternehmen wie Graveda auf die Produktion von professionellen Pressen spezialisiert.

WIE ALLES BEGANN

Schon im letzten Jahrhundert stellten Hashbauern und Extrakteure in Marokko, als sie hochwertiges Pollinat zu Platten und Ziegeln pressten, fest, dass das Öl förmlich aus den Konzentraten herauslief. Wenige Details sind bekannt, bis dann in den späten 1990ern manche anfingen zu tüfteln, wie man das Öl mit Hitze und Druck aus den Harzdrüsen, auch Trichome genannt, herausdrücken kann.

In weiterer Folge fand man heraus, dass die Terpene (Duftstoffe) in flüssiger Form als ätherische Öle in den Trichomen vorliegen und sehr flüchtig sind. Bei Cannabinoiden, wie z. B. THC, benötigt man etwas mehr Temperatur, um sie zu extrahieren, da sie in Reinform kristallin sind und erst ab 65 °C anfangen, in einen flüssigen ­Zustand überzugehen und beweglich zu werden. Mit viel Druck kann man dann die flüssigen Cannabinoide und Terpene aus der Blüte herauspressen – wie Wasser aus einem Schwamm. Aber auch die aufgewendete Zeit unter Druck spielt für die Qualität und die Quantität des Endproduktes eine entscheidende Rolle. Denn nutzt man zu viel Druck zur falschen Zeit, kann dies zur Verunreinigung des Extraktes führen – wie so oft im Leben hilft viel nicht immer viel. Ein weiterer wichtiger Faktor: Je länger hohe Temperaturen auf das Material einwirken, desto größer ist die Gefahr, die Aromen zu verlieren und am Ende Geschmack einzubüßen. Temperatur, Druck und Zeit sind also die entscheidenden Faktoren auf dem Weg zu einem guten Rosin-Extrakt.

Im Jahr 2015 hat dann Phil Salazar aka „Soilgrown“ dieses vorhandene Wissen genutzt und durch Ausprobieren und Tüfteln den Grundstein für das heutige Extraktionsverfahren für Rosin gelegt. Er fing an, mit Haarglättern und T-Shirt-Transferpressen zu experimentieren, um mithilfe von konstanter Wärme und gleichmäßigem Druck den Cannabisblüten wortwörtlich das Öl auszupressen. In weiterer Folge verbreitete sich das Wissen rasant weltweit durch die sozialen Medien.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich bei Instagram Wind davon bekam. Ich bin zu Rossmann gerannt und habe mir für 9,90 Euro einen Haarglätter gekauft. Zack, eine Knolle genommen, in das Backpapier zwischen die heißen Platten gelegt und mit voller Kraft gedrückt. Ich bin ausgeflippt. Denn bis dahin konnte man das nur mit gefährlichem Butan und Vakuum extrahieren. Das sollte logischerweise niemals daheim gemacht werden, sondern nur in professionellen Anlagen, wie man sie aus den Legal States kennt.

Je nach Pressverfahren und verwendetem Material unterscheiden sich die Struktur und die Konsistenz des gewonnenen Rosins.

EIN MARKT ERWACHTE

Damals begann ein toller Abschnitt der lösungsmittelfreien Extraktion von Cannabis für mich. Und es entwickelte sich eine ganze Industrie rund um das Thema Rosin-Extraktion. Unternehmen wie z. B. Graveda haben sich in diesem Bereich spezialisiert. Gemeinsam mit Graveda und anderen schlauen Köpfen sind wir ständig am Forschen, Testen und Entwickeln, wie man den Prozess noch besser und effizienter machen kann.

Das Knifflige daran ist, mit so geringen Temperaturen wie nötig so viel Öl wie möglich zu extrahieren. Denn so bleiben die Aromen erhalten, und der Verlust ist minimal. Sogenannte „Rosin-Bags“ erleichtern das Pressen des Ausgangsmaterials, und es kann eine noch höhere Reinheit gewährleistet werden. Das ultimative Ziel der Forschung ist es, mit nur einer Pressung das komplette Potenzial aus dem vorhandenen Material gewinnen zu können – und das natürlich in der bestmöglichen Qualität.

YOUTUBE-TIPP

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AUTOR VINCENT KÜHNE

Der deutsche Cannabispatient und bekannte Youtuber sorgt mit seinem neuen Projekt Vince&Weed für Aufklärung in den sozialen Medien. Mit viel Leidenschaft begegnet er seiner Mission, Wissen über die Pflanze zu verbreiten und als Content-Creator für fundierte Unterhaltung zu sorgen. www.instagram.com/vinceandweed/; www.vinceandweed.de

REDAKTION & FOTOS: Vincent Kühne

Das ist ein Artikel aus THE GRASSHOPPER Magazine Herbst 02/2020.

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