REBEL COAST

Hanf und Wein – nicht unbedingt eine Kombination, auf die man auf die Schnelle kommen würde. Und doch hat sich ein Weingut in Kalifornien seit 2017 dieser durchaus einzigartigen Mischung verschrieben. Die Rebel Coast Winery wird dabei voll und ganz ihrem schon im Namen steckenden Rebellenimage gerecht.

Das 2012 gegründete Weingut befindet sich im Geburtsort des kalifornischen Weins: im Sonoma Valley, mitten im Wine Country der Bay Area nördlich von San Francisco. Die Rebel Coast fand ihren Anfang dort zuerst auch als klassisches Weingut mit dem Anbau von Sauvignon Blanc. Erst mit der Cannabis-Legalisierung in Kalifornien wurde dann die Idee geboren, sich mit einem THC-Wein in etwas unkonventionellere Gewässer zu wagen.

Hürden überwinden

Bis es aber überhaupt zu einem verkaufsfertigen Produkt kommen konnte, war eine Unmenge an rechtlichen Hürden zu überwinden, in einem Business, das trotz ­massiver Fortschritte in den letzten Jahren noch immer von extremer Unsicherheit (z. B. durch unterschiedliche Rechtslagen in Kalifornien und auf bundesstaatlicher Ebene) und einem enormen administrativen Aufwand zur Einhaltung aller sich permanent ändernden Bestimmungen gekennzeichnet ist. „Allein 2018 änderte sich das Regulativ drei oder vier Mal! Glücklicherweise sind seit Januar 2019 die endgültigen Bestimmungen in Kraft, hoffentlich fürs Erste also einmal etwas, womit wir planen können. Außerdem sind wir als Cannabis-Unternehmen in diesem Land den strengsten Richtlinien unterworfen, wir testen unseren Wein in den unterschiedlichen Schritten der Produktion fünf Mal, um alle Vorschriften einzuhalten und unseren Kunden ein gleichbleibendes Qualitätsprodukt bieten zu können“, so Josh Lizotte, CEO von Rebel Coast, über die durchaus anspruchsvollen Rahmenbedingungen.

Katerfreies Weinerlebnis

Doch wie kam es zur Symbiose von Cannabis und Wein? Wie Josh erzählt, konsumierten sie ihren Wein schon immer am liebsten gemeinsam mit Cannabis. „Als das in weiterer Folge in Kalifornien legalisiert wurde, war es für uns nur logisch, dass wir die Ersten sein wollten, die Wein und Cannabis auch in einer Flasche zusammenbringen“, so Josh. „Cannabis und Wein sind beides enorm erfolgreiche Produkte in Kalifornien, wir waren uns also absolut sicher, dass diese Kombi ein Hit werden würde.“ Zudem lieben beide dasselbe Klima, sind einfach zu kultivieren, und sowohl Weintrauben als auch Cannabisblüten werden im Herbst geerntet, ein „Match made in Heaven“, erzählt uns Josh. Das Ziel der Rebel Coast war dabei von Anfang an, getreu dem Motto „Get high, not hungover“, ein katerfreies Weinerlebnis anzubieten.

Der Wein ist auch deshalb alkoholfrei, da aus rechtlichen Gründen Alkohol und THC nicht im gleichen Produkt enthalten sein oder im gleichen Gebäude produziert werden dürfen. Deshalb erntet Rebel Coast die Trauben in Sonoma, baut sie dort in einen Sauvignon Blanc aus und entfernt anschließend den Alkohol. In weiterer Folge wird dieser „Traubensaft“ dann in einer etwa 100 Kilometer entfernten Location mit flüssigem THC versetzt. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass ein Glas des Sauvignon Blanc von Rebel Coast nur 49 kcal, gegenüber seinem alkoholischen Vertreter mit etwa 120 kcal, enthält.

Warum eigentlich Wein?

Mit einer Dosierung von 20 mg THC pro Flasche – also etwa 5 mg pro Glas – ist das Ziel auch dabei, ein High zu bekommen, „aber nicht unglaublich high, die Leute sollen eine gute Zeit haben und sich intelligent unterhalten können“, so Josh. „Wir wollten dabei den Effekt, den der traditionelle Wein hat, nachahmen.“ Dieser soziale Aspekt ist es auch, der den Wein von anderen Edibles (Cannabis-Esswaren), die meist nur für eine Person ­gedacht sind, unterscheidet, da eine Flasche in einer guten Runde ein sozialeres Erlebnis darstellt. „Man kann ihn überall trinken, am Esstisch oder während einer Party. Es gibt keinen Geruch, nichts Anstößiges, und es wirkt sich auf niemanden sonst um einen herum aus. Unser Hauptziel ist es, den verantwortungsvollen Cannabis­Konsum gesellschaftlich akzeptabel zu machen und zu verbessern“, erklärt uns Josh die Motivation für das Medium Wein. Die Wirkung des Rebel-Coast-Weins tritt dabei aufgrund seiner Form als Flüssigkeit mit etwa 15 Minuten etwas schneller ein als bei anderen Edibles. Das liegt auch daran, dass das THC im Wein über die Magenschleimhaut resorbiert wird und so ohne Umweg über die Leber direkt in die Blutbahn gelangt. Ein rundum innovatives Produkt also, das sich von praktisch allem bisher Bekannten deutlich abhebt.

Cannabiswein – bald auf der Speisekarte?

Wer jetzt allerdings denkt, dass sich der Cannabiswein bald auf Speisekarten in Restaurants überall in Kalifornien wiederfinden wird, der wird leider enttäuscht. Bisher ist der Wein nämlich nur in Dispensaries und über eine Online-Plattform für Staaten, in denen Cannabis für den Freizeitgebrauch legalisiert wurde, erhältlich. „Unser Wein wäre perfekt geeignet, um auch in Bars und Restaurants serviert zu werden, das Gesetz untersagt uns das bis jetzt aber leider. Wir arbeiten aber mit einigen Cannabis-Lounges zusammen, und wer weiß, vielleicht gibt es bald auch eine Rebel-Coast-Bar?“, beschreibt Josh die momentane Vertriebsstrategie.

Es bleibt spannend

Wie sieht er aber die Zukunft für Cannabis­wein? „Cannabis-Getränke sind für uns definitiv der Weg der Zukunft. Wir gehen davon aus, dass sie in ein paar Jahren mindestens 25 % des Marktes ausmachen werden“, so seine optimistische Einschätzung. Nachdem der erste Sauvignon Blanc mit THC einen belebenden Sativa-dominierten Hintergrund hat, kam im August mit Pink Passion ein Indica-dominierter Rosé mit entspannender Wirkung auf den Markt. Ein Sekt steht bereits kurz vor der Markteinführung. Für 2020 plant Rebel Coast außerdem eine größere Erweiterung ihrer Produktpalette. Man darf also gespannt sein, was sich im Bereich der Cannabis-Getränke noch so alles tun wird – es ist sicher nicht das letzte Mal, dass wir von der Rebel Coast hören.

Rechtlicher Hinweis: Der obige Artikel ist nicht als Gutheißung des Gebrauchs, des Besitzes und der Weitergabe von THC-haltigen Substanzen zu verstehen.

REDAKTION: Philipp Hlatky, Andreas Buchrieser
FOTOS: Rebel  Coast